Storchmann – Ein Profil von Paper&Office

Dienstag, den 22. Mai 2012 um 11:40 Uhr

Fachhändler Storchmann: Handeln im Sinne des Humanismus

Der Name Storchmann ist in der Ruhrgebietsstadt Witten weit verbreitet: Das Fachhandelsunternehmen hat mehrere Läden und Geschäftsfelder. Und eine klare Philosophie und engagierte Inhaberin. Sie leben bügerschaftliches Engagement.

Die Firma Storchmann und ihre Inhaberin Edith Winkelmann können als Unikate bezeichnet werden. Aus der Urzelle des im Jahr 1955 gegründeten Schreib- und Tabakwarengeschäfts hat sich eine Unternehmung mit den Schwerpunkten PBS, Geschenkartikel, Bücher und Medien, Lotto&Toto, Post- und Bahn-Dienstleistungen sowie Reisen entwickelt. Mitten im Stadtteil Herbede liegt das Stammhaus von Storchmann. Hier in der Fußgängerzone an der Meesmannstraße 47 ist es direkt mit dem eigenen Reisebüro und der Postagentur verbunden. Zudem führt Winkelmann jeweils noch einen Schreibwaren- und Lotto&Toto-Laden an der Innenstadt-Peripherie von Witten und im benachbarten Wetter an der Ruhr. Insgesamt sind dreißig – sozialversicherungspflichtige – Mitarbeiter für die Storchmann-Unternehmen tätig. „Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind viele, viele Jahre bei Storchmann tätig. Zwei Damen sind schon im Rentenalter, aber ich sortiere deshalb keinen aus. Die sollen solange bleiben, wie sie Spaß haben und noch arbeiten können“, sagt Edith Winkelmann gegenüber Office&paper. An diesem Handeln ist die humanistische Haltung der Inhaberin erkennbar, die das Stammhaus kurzfristig im Jahr 1984 von ihren erkrankten Eltern übernommen hat.

Kritisch, fair und innovativ

Die gelernte Sozialwissenschaftlerin, die vorher an mehreren Hochschulen dozierte, hat sich ihr kritisches und analytisches Denken bewahrt. „Für mich zählt das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns beziehungsweise der Ehrbaren Kauffrau“, betont Edith Winkelmann. Die Unternehmerin verweist auf das gleichnamige Internetportal, das vom Institut für Management der Humboldt-Universität in Berlin betrieben wird. Es tituliert das „verantwortungsvolle Verhalten“ von Kaufleuten als „Grundlage für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und für den sozialen Frieden in der Gesellschaft“. Zur Definition gehört „das faire Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern, die er/sie weiterhin nach tugendhaften Grundsätzen behandelt mit dem Ziel, langfristige Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Die gesellschaftliche Verantwortung drückt sich aus durch Befriedigung von Kundenwünschen durch innovative Produkte und Dienstleistungen, Engagement am Standort des Unternehmens, Aufklärung von Öffentlichkeit und Politik, Verteidigung der Sozialen Marktwirtschaft und Beachtung des Umweltschutzes bei allen Entscheidungen.“ Diese Kriterien erfüllt Unternehmerin Winkelmann vollauf. Sie bewirbt nicht nur die Qualität ihrer Produkte und die „Markenartikel zu günstig kalkulierten Preisen“, sondern bietet auch ein breites Sortiment an Umwelt schonenden und fair gehandelten Produkten an. Dazu gehören Schulhefte aus Recycling-Papier genauso wie Fair Trade Kaffee, die unter den Onlineshops herbede24.de und fairerhandel24.de angeboten werden. „Unser Internetangebot wird gut angenommen. Die Kunden kommen auch aus dem Bundesgebiet“, freut sich die Shopbetreiberin. Wenn es die Kunden wünschen, können sie ihre im Internet bestellten Artikel in den Ladengeschäften abholen. Dass sich die Philosophie ausbezahlt, zeigt ebenso die große Resonanz bei den „Tornistertagen“. Die Kindergärten und Schulen werden über die Aktionstage informiert – ansonsten hält Edith Winkelmann wenig von Mailings: „Wir wollen keine aggressive Werbung betreiben. Viele Kunden finden es unangenehm, maschinell erfasst zu werden.“ Vielmehr setzt die Ladeninhaberin auf den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden, in dessen Rahmen auch Services wie etwa Gravuren und Serviettendruck sowie Sonderwünsche möglich sind.

Vorbildliche Nahversorgung

Auch im Kontakt mit anderen Geschäftsleuten setzt die PBS-Expertin auf „Nachbarschaftshilfe“. So engagiert sie sich im Verein Bürgerkreis Herbede für das Dorfmeister-Projekt und bei einem Bürgerbegehren gegen die geplante Neuansiedlung eines Supermarktes: „Der Ratsbeschluss dient nur den Interessen großer Filialketten, die hier ihre Vormachtstellung ausbauen und ein sinnvolles wie breit gefächertes Angebot beeinträchtigen würden.“ Für das Nahversorgungskonzept von Storchmann sprechen mehrere Auszeichnungen und Zertifikate. Im Jahr 2005 erhielt der PBS-Laden den Preis „Futur eins“ der Verbraucherzentrale NRW für das Engagement im Bereich Umweltschutz und Fairer Handel. Und die Postagentur erhält regelmäßig Bestnoten für Kompetenz und Freundlichkeit von den Kontrolleuren des Marktforschungsinstituts Infratest. Außerdem sind die Storchmann-Firmen von der IHK als Ausbildungsbetriebe anerkannt. Letzteres ist nicht ungewöhnlich, das Gesamtbild der Unternehmung aber schon.  AW


Witten und sein Stadtteil Herbede


Witten liegt im Südosten des Ruhrgebietes in der Nähe von Bochum und Dortmund. Witten gehört zum Ennepe-Ruhr-Kreis und ist hier die größte Stadt mit rund 99.000 Einwohnern. Witten hat vor fünf Jahren durch den Bevölkerungsrückgang den Großstadt-Status verloren. Laut seiner Wirtschaftsförderung zeichnet sich Witten durch „optimale Verkehrsanbindungen und eine moderne Infrastruktur aus“ und „präsentiert sich heute als traditionsreiche Industr-iestadt und innovativer Dienstleistungsstandort mit Perspektiven.“ Der älteste und flächenmäßig größte Stadtteil ist Herbede mit etwa 14.000 Einwohnern. Der idyllische Flecken ist vom Ortskern mit der Fußgängerzone in der Meesmannstraße und dem Grüngürtel am Kemnader See geprägt.

www.der-ehrbare-kaufmann.de

Dieser Beitrag erschien in der Fachzeitschrift Office&Paper, Mai 2012