Der Ehrbare Kaufmann

Der Ehrbare Kaufmann – Die Wiederentdeckung traditioneller Werte

In seinem Beitrag „Der ehrbare Kaufmann – Das ursprüngliche Leitbild der Betriebswirtschaftslehre und individuelle Grundlage für die CSRForschung“ (erschienen in: „Corporate Social Responsibility“, Zeitschrift für Betriebswirtschaft – Journal of  Business Economics, Special Issue 3/2008) vertritt Daniel Klink folgende Thesen:

  1. Kaufleute bedürfen keiner gesonderten Ethik oder speziell entwickelter Kodizes: der ehrbare Kaufmann als Leitbild der Betriebswirtschaftslehre handelt ethisch.
    In einer gesellschaftsgeschichtlichen Analyse beschreibt Klink die Entwicklung des Leitbildes des ehrbaren Kaufmanns in Europa.
  2. Die europäischen Anfänge des ehrbaren Kaufmanns finden sich im mittelalterlichen Italien und dem norddeutschen Städtebund der Hanse. Bis zum Ende der frühen Neuzeit wurde er als Leitbild in Kaufmannshandbüchern gelehrt.
  3. Der ehrbare Kaufmann ist der nachhaltig wirtschaftende Akteur. Sein Verhalten stützt sich auf Tugenden, die den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zum Ziel haben. Im ehrbaren Kaufmann sind Ethik und Wirtschaft untrennbar verbunden. Dieses Ergebnis ist insbesondere für die gegenwärtige CSR-Forschung von Bedeutung, da es die Diskussion auf die individuelle Ebene der Unternehmer und Manager erweitert. Das Leitbild sollte als ethische Basis der BWL wieder in die Ausbildung an Hoch- und Fachhochschulen integriert werden.

In seinem Beitrag kommt Daniel Klink zu dem Ergebnis, dass das ermittelte Leitbild von unmittelbarer Bedeutung für die gegenwärtige Forschung zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen Corporate Social Responsibility – CSR) ist.

Ein Leitbild für die Zukunft

Die ortsansässigen bzw. vor Ort tätigen, kleinen und mittelständischen Kaufleute lässt die Diskussion über den Ehrbaren Kaufmann relativ kalt: Ihre Unternehmen bilden die wirtschaftliche Grundlage der Bundesrepublik Deutschland und basieren auf der Nähe zu den Kunden und der Verantwortung gegenüber dem gesellschaftlichen Umfeld ihrer Inhaber, in das sie integriert sind und mit dem sie sich identifizieren. Es geht den Kaufleuten in diesen Unternehmen in der Regel nicht um schnell verdientes Geld, sondern primär darum, das Einkommen für das tägliche Leben und Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern: Nicht kurzfristiger Erfolg zählt, sondern die Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Entscheidungen. In diesem Sinne ist jeder traditionelle „Kaufmann um die Ecke“ gegenüber gierigen Wirtschaftsakteuren, die ohne Sinn nur Geld vermehren, seiner Zeit weit voraus.
Das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns kann jedoch dazu beitragen, die Frage nach der Sinnhaftigkeit wirtschaftlicher Entscheidungen (wieder) in das Bewusstsein aller Akteure zu rücken. Es kann außerdem dazu beitragen, dass kleine und mittelständische Betriebe wieder in ihrer gesellschaftlichen Funktion wahrgenommen werden.
Der Ehrbare Kaufmann ist aber nicht nur eine Philosophie, sondern handlungsleitend. Wie aus dem Leitbild auf den real handelnden Kaufmann geschlossen werden kann, muss die Diskussion über den Ehrbaren Kaufmann in Zukunft zeigen. Auf einer Internetseite des Instituts für Management der Humboldt-Universität zu Berlin, www.der-ehrbare-kaufmann.de, sollen zukünftig, zum Zwecke der sachlichen Aufklärung, die Grundzüge des Verhaltens ehrbarer Kaufleute beschrieben werde: Was macht einen ehrbaren Kaufmann aus? Wie wirtschaftet er? Und welchen Tugenden folgt er?

Der Ehrbare Kaufmann, die Globalisierung und Fair Trade

Das Modell des europäischen „Ehrbaren Kaufmanns“ schließt als Modell der Unternehmensführung und als Leitidee den globalen und auch den fairen Handel grundsätzlich ein.
Die Fair-Trade-Bewegung hat ihren Ursprung dort, wo die Schäden der Konzernbildungen im Lebensmitteleinzelhandel zuerst zu sehen waren: in Kanada und den USA. Sie konnte entstehen, weil insbesondere durch Preisdiktate in den sog. Entwicklungsländern soziale Ungerechtigkeiten in ungeheurem Ausmaß, unwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen und damit gewaltige soziale Probleme entstanden, die das soziale Gewissen vieler Menschen belastete. Die Folgen bekamen die Produzenten und Konsumenten in den privilegierten Industrieländern aber auch auf eine andere Weis zu spüren: Durch die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland wurden heimische Arbeitsplätze vernichtet und regionalen Produzenten wurden die Einkaufspreise von Discountern diktiert und, wie z.B. bei der Milch, unter die Herstellungskosten der Bauern gedrückt. Aus dieser Perspektive zeigen sich zwischen dem Modell des Ehrbaren Kaufmanns und der Fair-Trade-Bewegung zahlreiche Parallelen und Überschneidungen.

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